neuroneum

Kinderhilfestiftung übergibt LokomatPro an neuroneum

Die robotische Gangorthese hilft Kindern und Jugendlichen, das Gehen neu zu erlernen

Nach vielen Verletzungen, insbesondere nach einer Schädelhirnverletzung, entspricht das Gehen nicht mehr dem physiologischen Gangbild oder ist gar nicht mehr möglich. Das Gehen muss von Grund auf neu erlernt werden. Dabei leistet der LokomatPro als robotische Gangorthese wertvolle Hilfe. Die Therapie mit dem LokomatPro hat sich weltweit als wirksame Intervention zur Verbesserung der Gehfunktion bei neurologischen Patienten etabliert. Der Name ist an das Lokomotionstraining angelehnt – ein Gehtraining auf einem Laufband.

Eine solche Gangorthese wurde am 10. November 2015 von der Kinderhilfestiftung an neuroneum in Offenbach übergeben. neuroneum ist ein neurologisches Rehabilitationszentrum, das sich auf die ambulante und mobile therapeutische Nachsorge von Kindern und jungen Erwachsenen mit Schädelhirnverletzungen spezialisiert hat. Das Zentrum ist am Sana Klinikum in Offenbach angesiedelt.

Das Gehirn ist häufig mit betroffenen

In Deutschland erleiden jährlich mehr als 100.000 Menschen unter 20 Jahren eine Verletzung des Gehirns. Ursachen sind häufig Verkehrs- oder Sportunfälle, ein Sturz, ein Schlag, aber auch Tumorerkrankungen oder Hirnblutungen. Trotz dieser erschreckend hohen Zahl wird den Verletzungen des Gehirns, hierzu zählen auch Gehirnerschütterungen, nicht die erforderliche Aufmerksamkeit zuteil. Hinzu kommt, dass es im Bereich der nichtstationären Rehabilitation kaum Einrichtungen gibt, die auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern spezialisiert sind.

„Mit dem LokomatPro leisten wir einen Beitrag dazu, die Nachsorge im Bereich Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Querschnittslähmung, Multiple Sklerose und einiger weiterer Krankheitsbilder insbesondere für Kinder und Jugendliche im Rhein-Main-Gebiet deutlich zu verbessern“, sagt der Vorsitzende der Kinderhilfestiftung, Bruno Seibert. „Für die betroffenen Familien ist es enorm wichtig, dass die Erstversorgung und die anschließende Rehabilitation möglichst nah am Wohnort erfolgen kann“, so Seibert weiter. Der LokomatPro in Offenbach ist das einzige Laufsystem dieser Art im Umkreis von 150 Kilometern. Der nächste LokomatPro mit der erforderlichen Zusatzausrüstung für Kinder ist sogar über 200 Kilometer entfernt. Deutschlandweit gibt es neun Systeme, die auch von Kindern genutzt werden können.

Das Gefühl des Gehens wiedererlangen

Der LokomatPro automatisiert die Gangtherapie auf dem Laufband und erhöht die Effizienz des Gangtrainings. Er ist der weltweit erste robotergestützte Gangtrainer und eine hochwirksame Intervention zur Verbesserung der Gehfunktion nicht nur bei neurologischen Patienten. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Techniken zum Gangtraining ist, dass das normale Gangbild eines bewegungsgesunden Menschen exzellent simuliert werden kann und deutlich längere Trainingszeiten erreicht werden können.

Bei einem Training mit dem LokomatPro wird der Patient mit einem dynamischen System zur Gewichtsentlastung stabilisiert und ‚hängt’ quasi über dem Laufband. Die Ober- und Unterschenkel erhalten eine Führungshilfe und werden von Elektromotoren so bewegt, dass ein normales Gangbild simuliert wird. Es werden Schreitbewegungen wie beim normalen Gehen erzeugt und durch die Automatik das Gehen neu erlernt. Dabei kann der Patient – je nachdem, inwieweit seine Gehfunktionen vorhanden sind – Einfluss auf Richtung und Tempo nehmen. Begleitet wird das Training von einem auf den Lokomaten spezialisierten Physio- oder Ergotherapeuten.

Erhöhte Motivation dank sofortigem Feedback

Die Biofeedback Methode geht sogar noch einen Schritt weiter. Hierbei schaut der Patient zusätzlich auf einen Bildschirm, auf dem ein virtueller Weg vorgegeben ist. Auf diesem Weg gibt es Hindernisse und Geschicklichkeitsübungen, die zu meistern sind. Der Patient muss sich nicht nur auf seinen Weg konzentrieren, während des Trainings werden mehrere Sinne gleichzeitig beansprucht. Die Biofeedback-Methode ist essentiell für die Motivation, gerade bei kognitiv eingeschränkten Patienten und vor allem bei Kindern. Sobald die Aufmerksamkeit nachlässt, wird das Training verändert. Langfristiges Ziel ist es, durch kontinuierliche Erfassung verschiedener Bewegungsdaten und auch physiologischer Messwerte diese Aufmerksamkeitsschwankungen zu erkennen. Die Werte führen so zu automatischen Veränderungen des Trainingsablaufs. Das System interagiert mit dem Patienten und kann sich auf seine körperliche und mentale Verfassung einstellen.

Das Gehirn ist in der Lage, sich zu regenerieren

„Wer gehen will, muss laufend lernen“ erklärt Claudia Müller-Eising, Geschäftsführerin von neuroneum. Gegenüber der manuellen Therapie erlaubt der LokomatPro deutlich längere Therapieeinheiten und damit ein längeres physiologisches Gehen. Kinder sind bei einer Schädigung des Gehirns häufig doppelt betroffen. Es ist nicht nur der erreichte Entwicklungsstand bedroht, sondern auch die gesamte Entwicklung des Kindes tangiert. „Es ist daher wichtig, diese Entwicklungsdynamik so schnell wie möglich wiederherzustellen, über einen längeren Zeitraum zu beobachten und gezielt zu fördern. Denn das Gehirn ist aufgrund seiner Plastizität in der Lage, sich zu regenerieren und neu zu strukturieren. Durch gezielte Therapien wird das Gehirn angeregt, Neues zu erlernen“, betont Müller-Eising. Ihren Angaben zufolge können durch individuell zugeschnittene Rehabilitationsmaßnahmen Fähigkeitsstörungen minimiert werden. Damit wird den Betroffenen wieder die Teilnahme am familiären, schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

„Mithilfe des LokomatPro kann sehr früh mit einer Therapie begonnen werden, wodurch es schneller zu Behandlungserfolgen kommt. Wir sind der Kinderhilfestiftung daher unendlich dankbar für ihr Engagement. Es ist ein wichtiger Beitrag für die Versorgung im Rhein-Main-Gebiet“, so Müller-Eising abschließend.

neuroneum hat Anfang 2015 seine Tätigkeit am Sana Klinikum in Offenbach aufgenommen und arbeitet eng mit einzelnen Abteilungen der Klinik zusammen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit neuroneum, unserer Fachabteilung für Kinder- und Jugendmedizin sowie dem Sozialpädiatrischen Zentrum jungen Patienten und ihren Familien eine besonders umfassende Versorgung und Betreuung über die Akutversorgung hinaus anbieten können“, sagt Sascha John, Geschäftsführer des Sana Klinikums Offenbach. „Mit dem LokomatPro wird dieses Angebot jetzt noch attraktiver, dafür danken wir der Kinderhilfestiftung sehr herzlich“.

Yassin auf dem LokomatPro von neuroneum

Yassin (8 Jahre) freut sich auf das Training auf dem LokomatPro
von links nach rechts: Yassin, Matthias Bollinger (Sana Klinikum), Sascha John (Sana Klinikum), Claudia Müller-Eising (neuroneum), Bruno Seibert (Kinderhilfestiftung), Marco Hentsch (neuroneum)
Foto: Julia Schwager

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